Eine Postkarte aus Malaysia

Justin und Guido Weidemann

Anfang November wird Justin Weidemann eine Abbildung von zwei Super-Hochhäusern aus dem Briefkasten fischen. Die Petronas-Towers werden ihn an eine bittere Erfahrung erinnern. Unser frisch gebackener Clubmeister verpasste nur um ein Haar die Teilnahme am Finale der Amateur-Weltmeisterschaft in Malaysia. Sein Vater Guido hatte im Qualifikationsrennen mehr Glück. Er wird vom 20. bis 28. Oktober in Südostasien die deutschen Farben vertreten. Und er wird seinem Sohn eine Postkarte schicken.

 

Er hatte eine wirklich starke Runde auf der Anlage des GC Issum gespielt. Nur auf drei Spielbahnen war er über Par geblieben. Nach Birdies am dritten und fünften Loch stand am Ende eine 75 auf der Scorekarte. Ein Schlag zu viel für den alleinigen Sieg und die damit verbundene Qualifikation für die Amateur-Weltmeisterschaft in Malaysia. „Mir sind nur wenige Fehler passiert, die taten am Ende aber doppelt weh“, erklärte Justin im Anschluss. Der 17-Jährige musste mit zwei punktgleichen Spielern der Spielklasse A ins Stechen. Schon auf der ersten Spielbahn versagten ihm die Nerven. „Die Luft war einfach raus, ich habe alles versucht, aber es hat dann nicht gereicht, um die beiden Konkurrenten abzuschütteln“, erklärt Justin.

 

Das knappe Scheitern seines Sohnes erlebte Guido Weidemann während seiner eigenen Runde auf dem Display seines Smartphones. „Justin war mit seiner Gruppe schon vor  mir unterwegs. Aber wir haben uns immer wieder Nachrichten geschickt. Ich wusste, dass er als Erster im Clubhaus saß und ins Stechen musste“, sagt Guido Weidemann. Als er dann vom Ausscheiden seines Sohnes erfuhr, textete er mit einem zwinkernden Smiley zurück: „Dann muss ich jetzt wohl das Ticket nach Malaysia ziehen.“ Geplant war das eigentlich anders herum: „Ich war davon ausgegangen, dass Justin die Qualifikation erreicht, ich wäre dann nur als Begleitung mitgefahren.“

 

Guido war zu diesem Zeitpunkt in der Spielgruppe B gut im Rennen. Nach sieben Bahnen lag er noch einen Schlag unter Par. Die folgenden Schwierigkeiten meisterte er mit Ehrgeiz und Nervenstärke. Auf der letzten Spielbahn hatte er dann noch einmal Probleme und die Sorge, dass es am Ende nicht reichen könnte: „Dass mir ausgerechnet am letzten Loch ein Dreiputt passiert, war schon ärgerlich.“

 

Im Clubhaus wich dann die Anspannung der Freude. Er hatte einen Punkt mehr geholt als sein Konkurrent, die Qualifikation hatte er damit in der Tasche. In seiner Freude über den Sieg schwang aber auch etwas Traurigkeit mit: „Es wäre der Hammer gewesen, hätte auch Justin die Qualifikation geschafft. Jetzt bin ich leider allein unterwegs.“ Guido hat jetzt noch rund drei Wochen Zeit, sich für die Finalrunde der Amateur-Weltmeisterschaft vorzubereiten. Er wird am 19. Oktober den Flieger Richtung Malaysia steigen. „Die Vorfreude ist natürlich riesengroß. Fast 40 Nationen werden dabei sein und ich darf die deutschen Farben vertreten“, sagt Guido, für den es die erste Reise nach Asien sein wird. Gespielt wird im Forest City Golf Resort in Johor rund 350 Kilometer von der Hauptstadt Kuala Lumpur entfernt. Große Ziele setzt sich der Dinslakener erst einmal nicht: „Es geht für mich darum, dabei zu sein, das ganze Drumherum zu erleben und Spaß zu haben.“ Und darum, eine nette Postkarte zu schreiben.